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Kunst als Chance

Werke straffälliger Jugendlicher präsentiert

Die gjb-Zentrale schmückt sich seit heute mit bunten, fantasievollen und bewegenden Kunstwerken – und hat die ungewöhnliche Ausstellung in ihren Räumen mit einer Vernissage gewürdigt.

Der Titel: „Kunst ist Arbeit, macht aber viel schön. Arbeiten junger Menschen – unter Auflage.“ Veranstalter sind die gjb und der Verein Kinder- und Jugendhilfe (VKJH). Deren langjährige Kooperation wird durch die Veranstaltung jetzt erstmalig nach außen sichtbar. Zu Gast waren Wegbegleitende sowie Förderpartnerinnen und -partner der Vereine ebenso wie Jugendliche. Ungewöhnlicher Hintergrund der Vernissage: Wenn Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren in Frankfurt straffällig werden, können sie richterlich angeordnete Arbeitsstunden unter anderem in Kunstprojekten ableisten, die sich mit ihrer Lebenssituation auseinandersetzen.

Marc Merly und Matthias Heidel vom VKJH begrüßten die zahlreichen Gäste und erläuterten: „Junge Menschen mit gerichtlichen Auflagen können bei uns Sozialstunden leisten oder an Präventions- und Interventionskursen teilnehmen. In einem Team aus Kunsttherapie, Sozialarbeit und Pädagogik gestalten sie mit unterschiedlichen Materialien wie Holz, Metall, Farben oder Ton eigene Kunstobjekte. Dabei setzen sie sich allein oder in Gruppen mit Delinquenz, Konflikten und persönlichen Themen auseinander – kreativ und im Gespräch.“ Ergänzend greifen speziell konzipierte Projekte zentrale pädagogische Inhalte auf. Ein Schwerpunkt ist seit 2018 das vom hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales geförderte Langzeitprojekt zum Thema Gender. Matthias Heidel wendete sich an die Kunstinteressierten: „Unser Team ist hier heute für Sie da. Bitte fragen, bitte austauschen, bitte kaufen.“ Denn jedes der ausgestellten Werke ist in einer Preisliste verzeichnet. Schnell kam es zur freundlichen Konkurrenz um einzelne Gemälde und Skulpturen unter den Anwesenden.

gjb-Geschäftsführerin Petra Lölkes betonte: „Ich freue mich, dass wir die besonderen Kunstwerke hier bei uns zu Gast haben dürfen. Vielen Dank dafür an den VKJH.“ Ebenso dankte sie Maria Willem, Leiterin des außerschulischen Bereichs. Denn sie hat die Vernissage mit dem VKJH initiiert und organisiert. Maria Willem zur Kooperation: „Unser Programm Chance Beruf arbeitet eng mit dem VKJH zusammen. Ein zentrales Ziel ist es, berufliche Perspektiven für die Teilnehmenden zu entwickeln. Hierbei werden sie durch die Beraterinnen und Berater von Chance Beruf unterstützt. Bei einem Treffen im VKJH haben wir die Kunstwerkstatt mit ihren tollen kreativen Arbeiten kennengelernt, die bislang kaum öffentlich zu sehen sind. Daraus entstand gemeinsam die Idee, diesen Kunstwerken einen Raum zu geben und sie bei uns sichtbar zu machen. Mit der Ausstellung möchten wir die Kreativität, die Talente und die Ausdruckskraft junger Menschen unter Auflage in den Mittelpunkt stellen. Die Kunstwerke zeigen, dass hinter den Jugendlichen weit mehr steckt als ihre Vergangenheit oder die Umstände, die zu einer gerichtlichen Auflage geführt haben.“

Ergänzend präsentierte die gjb auch einen kreativen Ausschnitt der eigenen Arbeit: Inhalte der Songworkshops aus dem Projekt Fit für den Beruf. Dazu waren Schülerinnen und Schüler der Klasse 8H von der Schule am Ried zu Gast, ebenso wie der Chef des Tonstudios Loyal Till Death Records.

Die Gäste nutzten die kreative Atmosphäre der Vernissage bei Hochsommertemperaturen für einen Einblick in die „Arbeit junger Menschen – unter Auflage“ ebenso wie für den Austausch miteinander bei gekühlten Getränken. Die Ausstellung „Kunst ist Arbeit, macht aber viel schön.“ kann noch bis zum 15. September 2026 zwischen 9 und 17 Uhr bei der gjb in der 2. Etage im stadtRAUMfrankfurt besucht werden.